Redensarten – für die Sprache das Salz in der Suppe


Ob Sie wollen oder nicht, ob es Ihnen bewußt wird oder nicht – Sie verwenden täglich Redensarten / Redewendungen. Beispielsweise dann, wenn Sie jemandem erzählen, daß Sie Ihre Freundin "in die Wüste geschickt" haben, Ihr Computer über die Wupper gegangen ist oder Ihre Aktien keinen roten Heller mehr wert sind. Es kann also sicher nicht schaden, sich mit diesem Element unserer Sprache etwas eingehender zu beschäftigen.

Auch wenn sie auf den ersten Blick nicht immer von hohem literarischen Anspruch zu zeugen scheinen, sondern bisweilen sogar ausgesprochen drastisch klingen (z.B. Jemanden am Arsch lecken können), sind die kulturellen und sprachlichen Hintergründe der jeweiligen Redensart in den meisten Fällen wesentlich vielschichtiger und interessanter, als man es erwartet hätte. Redensarten bieten in Verbindung mit ihrer Entstehungs- und Überlieferungsgeschichte einen hübschen Querschnitt durch unsere Kultur und Geschichte. Schon allein diese Tatsache sollte Grund genug sein, sich mit dem sprachlichen Erbe unserer Vorfahren auseinanderzusetzen.

Aber was genau sind Redensarten eigentlich? Zur groben Orientierung kann dienen, daß es sich bei Redensarten um bildhafte Wendungen handelt. Diese Wendungen ergeben nur in dieser einen Wort-Kombination einen übertragenen Sinn. Da sich dieser Sinn nicht durch das Wort-für-Wort-Lesen erschließen läßt, muß der Leser / Hörer aus Erfahrung wissen, was gemeint ist. Anderenfalls steht er „auf dem Schlauch“ und kann mit dem Satz nichts anfangen. Man könnte es so formulieren, daß der Sinngehalt einer Redensart größer ist als die Summe der einzelnen Wortsinne.

Sie kennen das Prinzip, sollten Sie gelegentlich mit fremdsprachigen Texten in Berührung kommen, ohne diese Sprache „aus dem Stehgreif“ zu beherrschen. Sie knobeln über einer Wendung, die Sie noch halbwegs problemlos Wort für Wort übersetzen können, die aber in eben dieser wörtlichen Übersetzung absolut keinen Sinn ergibt.

Jenseits der staubtrockenen Theorie ist das Beschäftigen mit Entstehung, Hintergründen und eigentlicher Bedeutung von Redensarten nicht nur unterhaltsam, sondern kann durchaus auf der praktischen Ebene Bedeutung erlangen. Mit dem Verwenden einer falsch gebildeten („Zur Salzsäule gefrieren“) oder einer gesellschaftlich nicht (mehr) akzeptablen (Aussehen wie bei den Hottentotten) Redensart hat man bestenfalls noch die Lacher auf seiner Seite, kann aber auch aber schnell „ins Fettnäpfchen treten“ oder sich im schlimmsten Fall selbst „aufs Abstellgleis schieben“. Es ist mit Sicherheit immer von Vorteil, wenigstens einigermaßen zu wissen, was man redet. Man denke an den Lapsus eines (ehemaligen) Nachwuchspolitikers, der sich mit „Alte, gebt den Löffel ab“ ins Aus manövriert hat. Derartiges soll Ihnen ja nicht ebenfalls widerfahren, oder?

Andre Przybilla
mail [ at ] redensarten [ dot ] net

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