Bewerben in England
Wenn Sie eine Bewerbung in Deutschland schreiben wissen wir den Aufbau und die Inhalte, die in eine Bewerbung gehören. Wenn Sie sich aber für einen Auslandsjob bewerben, bildet das häufiger Probleme, da wir nicht wissen, was gilt es dort zu beachten.
In Deutschland besteht eine Bewerbung in der Regel aus einem Anschreiben, einem Lebenslauf und Zeugnissen. Auch in England besteht eine Bewerbung aus einem Anschreiben, welches cover letter genannt wird und dem Lebenslauf, curriculum vitae. Auch Vorstellungsgespräche, wenn die Bewerbungsmappe den Personalverantwortlichen positiv ins Auge gefallen ist, und Auswahlverfahren sind in England genauso üblich wie in Deutschland. Doch gibt es kleine, aber doch wichtige Unterscheidungsmerkmale:
Die Bewerbung besteht meist aus Anschreiben und Lebenslauf. Wie vielleicht schon aufgefallen ist, habe ich die Zeugnisse eben nicht aufgezählt. Es ist in England üblich, dass eine Bewerbung nur aus einem Anschreiben und einem CV besteht. Sollten Sie gerade die Schule verlassen haben, fügen Sie die Schulzeugnisse übersetzt in Englisch bei. Auch wenn Sie sich die Mühe machen, die Arbeitszeugnisse zu übersetzen, können Personalverantwortliche mit der sehr eigenen Sprache der hiesigen Zeugnisse nichts anfangen. Selbiges gilt für Universitäts- und Weiterbildungszeugnisse, da Engländer das Diplom nicht kennen bzw. anderes einordnen. Ab 2010 stellen die meisten europäischen Länder auf Bachelor und Master um, so dass die Abschlüsse vergleichbar werden.
Eine andere Möglichkeit deutsche Abschlüsse verständlich zu machen, besteht in deren Beschreibung der Inhalte. Es kann sinnvoll sein, deutsche Bezeichnungen beizubehalten und die englische Umschreibung in Klammern dazu zu setzen, da die Berufspositionen oft nicht exakt übereinstimmen.
Wenn Sie möchten, können Sie die Zeugnisse zum Vorstellungsgespräch mitbringen.
Der Lebenslauf
Der Lebenslauf ist wie in Deutschland tabellarisch. Er umfasst höchstens drei Seiten und ist weder datiert noch unterschrieben. Am erstaunlichsten mag für Deutsche sein, dass er kein Bild enthält.
Auch im Aufbau eines Lebenslaufes gibt es gewisse Unterschiede:
- Persönliche Daten
- Beruflicher Werdegang
- Ausbildung
- Zusatzqualifikationen
- Persönliche Interessen
Auf den ersten Blick mag der Aufbau dem deutschen sehr ähneln. Mancher Punkt ist doch anders als im Deutschen. Der Berufliche Werdegang ist antichronologisch aufgebaut, d. h. zu oberst findet der Personalchef die aktuellsten beruflichen Daten und weiter unten die nicht mehr so interessanten Informationen. Diesen Aufbau finde ich persönlich nicht schlecht, wenn man bedenkt, dass ein Entscheider sich eine Bewerbungsmappe im Durchschnitt 40 Sekunden ansieht und danach auf einen Stapel legt, entweder zu denen, die ihn interessieren oder zu denen, die zurück geschickt werden. Der antichronologische Aufbau setzt sich seit Beginn des Jahrhunderts auch in Deutschland durch.
Referenzen
Oben erwähnte ich, dass Arbeits- und Universitätszeugnisse in England ehe unüblich sind. Stattdessen werden in England Referenzen oder Referenzgeber in den Lebenslauf integriert. Was ist ein Referenzgeber? Das ist ein Ansprechpartner, der bereit ist, dem Unternehmen bei dem Sie sich bewerben über Ihre Fähigkeiten Auskunft zu geben. Dabei kann es sich um einen frühren Arbeitgeber oder einen Universitätsprofessor, bei dem Sie gerade Prüfung machen, handeln.
Natürlich sollten Sie sich vorher vergewissert haben, dass die genannten Personen auch wirklich bereit sind über Sie Auskunft zu geben und dass, wenn möglich diese Auskünfte, auch positiv ausfallen. Aber teilweise werden in England diese Referenzen in Frage gestellt. Sie haben sicherlich schon bemerkt warum. Die Referenzgeber werden in der Regel freundlich ausfallen, da Sie sie vorher ausgesucht haben. Manche Bewerbungsberater halten daher die Angabe von Referenzen für überflüssig. Eigentlich so ähnlich wie bei uns, denn heutzutage schreiben sich viele Angestellte ihre Zeugnisse schon selber und der Arbeitgeber unterschreibt nur noch.
Sollten Sie sich gegen Referenzen entscheiden, ist es wichtig anzumerken, dass Sie gerne auf Wunsch bereit sind, Referenzgeber zu nennen. In Ihrem Lebenslauf könnte zum Beispiel stehen: „References available on request“.
Aufmachung und Verpackung
Da Engländer kostenbewusster sind als Deutsche, leben sie keinen Wert auf edle Mappen oder Klarsichthüllen. Ein Klemmhefter ist oft das höchste der Gefühle. Man bedenke dabei, dass Bewerbungsmappen in der Regel nicht zurückgeschickt werden.
Sprachprobleme
Auch in England ist der sprachliche Eindruck sehr wichtig. Auch wenn Deutsche einen gewissen Ausländerbonus haben, empfiehlt es sich trotzdem seine Bewerbung von einem Native speaker korrigieren zu lassen.
Gudrun Smith
G.Smith [ at ] smith-consult [ dot ] de
