Interkulturelles Coaching
Was beinhaltet interkulturelles Coaching?
Unter Coaching allgemein versteht man die persönliche Kompetenzerweiterung, d.h. die Teilnehmer des Coachingentwickeln neue Verhaltensrepertoires, die sie in neuen Konfliktsituationen ausprobieren.
Dabei gilt es verschiedene Coachingformen zu unterscheiden. Am bekanntesten ist das Einzelcoaching. Ein Coach betreut einen Coachee. Im Gruppen- oder Team- und im Projektcoacing begleitet ein Coach mehrere Personen, die sich regelmäßig treffen, um eine Aufgabe gemeinsam zu lösen. Die zu bearbeitenden Themen können sehr unterschiedlich sein. Als Beispiele seien genannt: Konflikte zwischen Gruppenmitgliedern, kommunikative Prozesse und methodische Fertigkeiten.
All diese Coachingformen können auch im interkulturellen Kontext auftreten. Versuchen Sie die folgenden Fragen für sich zu beantworten:
1. Stellen Sie sich folgende Situation vor: Sie fahren mit dem Auto eine Straße entlang. Ihr bester Freund fährt mit Ihnen. Plötzlich fahren Sie einen Fußgänger in einer 30iger Zone an. Dabei sind Sie 50 km/h gefahren, anstatt der vorgeschriebenen 30 km/h. Es gibt keine anderen Zeugen für den Unfall. Ihr Rechtsanwalt äußert, wenn Ihr Freund aussagt, dass Sie 30 km/h gefahren sind, wird es Sie vor einer harten Strafe schützen.
Welches Recht hat Ihr Freund von Ihnen diesen Schutz zu verbringen?
i. Mein Freund hat das absolute Recht, dass ich vor Gericht aussage, er sei 30 km/h gefahren.
ii. Er hat schon ein gewisses Recht zu erwarten, dass ich vor Gericht aussage, er sei 30 km/h gefahren.
iii. Er hat kein Recht von mir zu erwarten, das ich ihn vor Gericht unterstütze.
Was würden Sie tun?
i. Vor Gericht aussagen, dass er 30 km/h gefahren ist?
ii. Nicht vor Gericht aussagen, dass er 30 km/h gefahren ist.
2. Finden Sie Humor in Verhandlungen störend?
i. Ja.
ii. Nein.
3. Stellen Sie sich vor, Sie sind mit Antonio aus Portugal zum Tennis spielen um 11.00 Uhr verabredet. Es wird 11.10 Uhr und Antonio ist immer noch nicht erschienen. Auch um 11.30 Uhr ist Antonio nicht da. Wie würden Sie reagieren?
Für alle diese Situationen gibt es Volksgruppen, die in der Mehrheit genauso handeln werden, also im ersten Fall für den Freund aussagen, im 2. Fall Humor in Verhandlungen explizit leben (z.B. Angelsachsen) und im 3. Fall selber erst zu diesem Zeitpunkt oder später zum Tennis erschienen (z.B. Südeuropäer).
Diese Beispiele veranschaulichen, dass es für einen deutschen Geschäftsmann wichtig ist, das Verhalten seines Verhandlungspartners nicht nur zu akzeptieren, sondern auch zu verstehen.
Solche Situationen werden Sie regelmäßig erleben, wenn Sie im Ausland leben. Da Menschen unterschiedlich reagieren, unterscheidet man zwischen dem Assimilationstyp, dem Kontrasttyp, dem Grenztyp und dem Synthesetyp.
Mitarbeiter reagieren sehr unterschiedlich auf eine andere Kultur. Grundsätzlich lassen sich vier Typen unterscheiden:
Assimilationstyp: Der Assimilationstyp lehnt seine Heimatkultur radikal ab und übernimmt die Werte und Normen der Fremdkultur. Der Verlust der Identifikation mit der eigenen Kultur kann zu einem Konflikt mit der eigenen Sozialisation aus der Heimatkultur führen.
Kontrasttyp: Hier erlebt das Individuum die Unterschiede zwischen der eigenen und der fremden Kultur sehr deutlich. Die fremde Kultur wird deutlich abgelehnt und die Werte der eigenen Kultur betont. Daraus folgen ethnozentrische Tendenzen bis hin zu Chauvinismus.
Grenztyp: Der Grenztyp hingegen erlebt beide Kulturen als Träger bedeutungsvoller Werte und Normen, erfährt beide Kulturen als inkompatibel und schwankt zwischen diesen hin und her. Je nach Konfliktbewältigungsstrategien kann es zu einem Identifikationskonflikt oder zu Reformbemühungen führen und zu sozialen Wandel führen.
Synthesetyp: Der Synthesetyp ist in der Lage, beide Kulturen zu einer „neuen Einheit“ verschmelzen zu lassen, so dass die Erfahrung zu einer Persönlichkeitsentwicklung führt.
Vielleicht denken Sie mal darüber nach, welchen Typ Sie für am einfachsten integrierbar halten. Die Sozialisation, die jeder Mensch genießt, spielt im Umgang mit der Umwelt eine Rolle. Daher sind Menschen für mache Länder besser geeignet als für andere. Haben Sie den Typ gefunden?
Es ist der Synthesetyp, der beide Kulturen zu einem Ganzen verschmelzen lässt.
Aus der Andersartigkeit entwickeln sich Konflikte, die in einem interkulturellen Coaching gemeinsam erarbeit werden können. Dabei werden die Techniken des Coachings mit interkulturellen Einfluss angewandt, um Konflikte und Unstimmigkeiten zu entschärfen und im optimalen Fall zu eliminieren.
Literaturverzeichnis:
When cultures collide (2006), Lewis
Riding the Waves of Culture (1998), Trompenaars Personalmanagement in Europa, Erika Regnet, Laila Maija Hofmann (Hrsg.)
Gudrun Smith
G.Smith [ at ] smith-consult [ dot ] de
