Elektronikmarkt – aus alt mach neu
Verkauft eine bekannte Elektronikkette gebrauchte Laptops als neu?
Ein Erfahrungsbericht.
Als Internetnutzer lebt man gefährlich. Kaum ein Tag vergeht, ohne dass ein neues Computer-Virus den heimischen PC bedroht oder tonnenweise Spam und neuerdings so genannte Phishing-E-Mails einem die Freude an der elektronischen Kommunikation verderben. Der vorsichtige Anwender baut vor und löscht vorsichtshalber alle Nachrichten mit dubiosem Absender.
Vor einigen Wochen machte mich aber eine E-Mail stutzig, da in der Titelzeile weder ein Produkt angepriesen wurde noch eine dringende Meldung meiner Bank erschien (der zufolge ich schnellstmöglich meine E-Banking-Zugangsdaten in ein Online-Formular eingeben müsse, sonst werde mein Konto unwiderruflich gesperrt). Der Absender – nennen wir ihn Herrn G. – stellte eine für mich kaum nachvollziehbare Behauptung auf: Meine persönlichen Daten befänden sich auf seiner Festplatte. Kurzerhand löschte ich die Nachricht, da ich dahinter einen üblen Scherz oder eine neue Variante der Internet-Trickbetrügerei vermutete. Doch Herr G. forderte mich nach kurzer Zeit in einer weiteren Nachricht auf, mit ihm in telefonischen Kontakt zu treten, um die Sache zu klären.
Um nicht mehr belästigt zu werden, entschloss ich mich, Herrn G. per E-Mail irgendeine plausible Erklärung anzubieten, nur um zu sehen, wie er reagieren würde. So schrieb ich zurück, wahrscheinlich seien über einen der virtuellen Arbeitsmärkte irrtümlich meine Bewerbungsdaten aus dem Internet auf seinen PC gelangt. Herr G. antwortete prompt, meine Daten habe er auf seinem PC gefunden, bevor er auf seinem Rechner einen Internetzugang eingerichtet habe. Nun wurde es mir aber zu bunt! Ich forderte ihn postwendend auf, mir doch einmal eine Kostprobe der angeblich gefundenen Daten zuzusenden. Und tatsächlich: Ein paar Tage später fand ich eine ältere Version meines Lebenslaufs in meiner Mailbox.
Den entscheidenden Hinweis – der mich letztlich doch noch dazu brachte, bei Herrn G. anzurufen und die Sache aufzuklären – gab mir meine Partnerin. Sie erinnerte mich nämlich daran, dass ich im Sommer 2004 in einem der Geschäfte einer großen Elektronikkette einen Laptop erworben hatte. Diesen musste ich allerdings nach wenigen Tagen umtauschen, da das Display des Geräts seinen Dienst versagte. Angesichts der defekten Bilddarstellung hatte ich meine Daten nicht von der Festplatte entfernen können, bevor ich das Gerät zur Serviceabteilung des Elektronikhändlers brachte. Tatsächlich förderte das Telefongespräch mit Herrn G. zu Tage, dass er seinen Laptop genau in jenem Geschäft erstanden hatte.
Nun möchte ich niemanden von vorne herein aburteilen. Schließlich kann man nicht ausschließen, dass der Hersteller dem ahnungslosen Elektronikmarkt das reparierte Gerät als angebliche Neuware wieder unterjubelte. Vorsichtshalber kaufe ich aber erst einmal nichts mehr in dem besagten Elektronikmarkt.
Ich bin doch nicht blöd ;-)
