Privatinsolvenz – Der Traum von der Schuldenfreiheit


Erst genießen, dann bezahlen – diese Praktik findet nicht nur im Restaurant Anwendung, sondern wird zunehmend gerne auch von privaten Haushalten für den alltäglichen Konsum in Anspruch genommen. Reisen, Möbel oder Autos – inzwischen lässt sich so gut wie alles auf Kredit kaufen. Dabei machen es einem die Händler und Banken auch immer einfacher – leider viel zu leicht. Erst viel später stellen viele Käufer entsetzt fest, dass sie sich die letzte Karibikreise gar nicht leisten konnten und den Überblick über die eigenen Einnahmen und Ausgaben total verloren haben.

Für viele ist der Gang in die Privatinsolvenz der einzige Weg aus der Schuldenfalle. Von einstmalig 3000 Verfahren in 1999 ist die Anzahl der Privatinsolvenzverfahren auf fast 40.000 im ersten Halbjahr 2005 angestiegen. Und selbst diese beachtliche Zahl ist noch ein Tropfen auf dem heißen Stein, den laut Schuldenreport 2006 sind mehr als drei Millionen deutsche Haushalte praktisch pleite. Besonders häufig kreist der Pleitegeier in Haushalten von Hartz IV Empfängern.

Verbraucherschützer machen vor allem Banken für diese Misere verantwortlich. Der Vorwurf: Um im steigenden Wettbewerb um Privatkunden noch steigende Kreditabschlusszahlen präsentieren zu können, gehen Banken oft bis an die Grenzen seriöser Beratung – und manchmal auch darüber hinaus. Wenn Angestellte bis zu einem Drittel ihres Nettoeinkommens für die monatliche Rückzahlung eines Kredits aufwenden müssen, ist der Weg in die Schuldenfalle schon so gut wie vorprogrammiert.

Um in Privatinsolvenz gehen zu können, muss der Schuldner zuvor eine außergerichtliche Einigung mit seinen Gläubigern suchen. Erst wenn diese gescheitert ist, kann der Schuldner Privatinsolvenz mit anschließender Restschuldbefreiung beantragen. Nach einer Wohlverhaltensphase von sechs Jahren, in denen der Schuldner jegliche Art von zumutbarer Arbeit zur Schuldentilgung annehmen muss, wird der Schuldner per Gerichtsbeschluss von seinen Restschulden befreit und kann sein Leben ein zweites Mal neu beginnen.

Christoph Piekarz
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