Abstrakte Kunst:
befreit von Form und fern von natürlicher Erscheinung
Von abstrakter Kunst spricht man dann, wenn bei der Darstellung von Gegenständen eine Entfernung von der realen Natur beabsichtigt und letztendlich auf deren Natürlichkeit auch verzichtet wird. Unterstützt wird diese Gegenstandslosigkeit oder auch non-figurative Darstellung dabei durch bildnerische elementare Mittel wie Linien, Flächen und vor allem Farben. Letztere führen dazu, dass jede Beziehung, die einmal zu einem Gegenstand bestanden hat, aufgelöst wird und diese somit ein absolutes Eigenleben gewinnen. Damit wird der Farbe ein hoher Stellenwert bezüglich Form und Intensität zugesprochen.
Zur Folge hat dies wiederum, dass durch reine Form- und Farbkomponenten neue Wirklichkeiten geschaffen werden. Diese gibt es nun mal in der natürlichen Welt nicht, da dort alles entsprechend benannt wird. Die abstrakte Kunst hingegen gbit einem die Möglichkeit, zu entsprechenden geistigen Aussageformen zu gelangen, die den Vorstellungen und Gedanken des Betrachters relativ nahe kommen. Gegeben hat es die abstrakte Kunst im Prinzip schon seit langer Zeit, zumindest in Form von Ornamenten in der islamischen Kunst, wobei sie jedoch eine richtige Verbreitung erst Anfang des 20. Jahrhunderts fand. Hier war es vor allem die Kunstrichtung Expressionismus, die mit einer großzügigen Farbgebung und weichen Formen von sich Reden machte und damit auch den Vorreiter der abstrakten Kunst darstellte. Zwei Künstlervereinigungen prägten den Expressionismus und beeinflussten vor allem die Malweise.
Die eine Gruppe war (1905-1913) -Die Brücke- mit Erich Heckel, Ernst Ludwig Kirchner, Otto Mueller, Emil Nolde, Max Pechstein und Karl Schmidt-Rotluff. Diese Künstler sorgten dafür, dass die verwendete Farbe in den Bildern ihre volle Entfaltung bekam ohne gegenständliche Bezüge, die allerdings doch noch sichtbar waren. Die andere Gruppe -Der Blaue Reiter- ab 1911 bestand aus den Malern Heinrich Campendonk, Alexej von Jawlensky, Gabriele Münter, Lyonel Feininger und vor allem Paul Klee, August Macke, Franz Marc sowie Wassily Kandinsky.
Wassily Kandinsky war der erste von diesen Künstlern, der den letzten Schritt zur vollständigen abstrakten Malerei vollzog, indem er die gesamte Bildorganisation vom Gegenständlichen befreite, was ihm mit seinem ersten abstrakten Aquarell 1910 auch gelang. In der Folge wurde die abstrakte Kunst in der Malerei mit dem Kubismus und seinen bekanntesten Vertretern Georges Braque und Pablo Picasso bereichert. Diese Vertreter reduzierten als solches die Farbgebung, holten statt dessen aber die geometrischen Formen in den Vordergrund. Man wollte grundsätzlich Subjekt und Bildgegenstand miteinander verschmelzen lassen und damit auch die Wahrnehmung aufheben.
Roger Schmidt
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