August, ein gewichtiger König
Auch wenn August der Starke seinen Beinamen erst nach seinem Tod erhalten hat, so reflektiert das Attribut der körperlichen Stärke das Streben dieses Herrschers eine beeindruckende leibliche Präsenz als Teil seines öffentlichen Bildes fassbar werden zu lassen.
Dass er vor seinem Hofstaat ein – freilich zuvor präpariertes – Hufeisen zerbrochen habe, ist belegt. Seine 365 Kinder wurden ihm von preußischer Seite von Wilhelmine von Bayreuth angedichtet.
Die vom Hofmaler Louis de Silvestre geschaffenen Porträts des Königs zeigen stets einen Herrscher von beeindruckender körperlicher Gestalt. Besonders deutlich wird dies in einem Allianzbild von 1728, das neben dem herkulischen sächsischen Kurfürsten einen geradezu mickrigen Soldatenkönig zeigt (Dresden, Gemäldegalerie Alte Meister). Auf einem Stadtrundgang in Dresden fällt in diesem Sinne vor allem die kurz nach dem Tod Augusts des Starken fertig gestellte vergoldete Reiterfigur in der Hauptstraße auf.
August der Starke ließ sich in jedem Frühjahr im Zeughaus von Dresden wiegen. Sein Gewicht galt gleichsam als Zeichen des Wohlergehens des Landes Sachsen. Die Zahlen seit 1712 sind erhalten und werden von Cornelius Gurlitt in dessen 1924 erschienener Monografie über August den Starken genannt. 1712 soll er 121,4 Kilogramm gewogen haben. Zehn Jahre später bringt er es nur noch auf 97,8 Kilogramm, 1723 waren es 97,8 kg und 1725 95,5 kg.
War das Wiegen ein Verweis auf die Gesundheit der Menschen, so sollten auch die großen öffentlichen Schauessen die Kraft und Vitalität des Herrschers zum Ausdruck bringen.
An den Höfen entwickelte sich ein regelrechter Wettbewerb in Bezug auf das Körpergewicht und das Vermögen große Mengen essen zu können. Die Waage wurde ein wichtiges Instrument der Selbstdarstellung des Königs und des Adels. Es ist in einem Dokument vom 2.12.1727 überliefert, dass der General Lesgewang, der Kronunterkanzler Lipski und der Kronschatzmeister Poniatowski sich vor und nach einem Festessen im Dresdner Zeughaus hätten wiegen lassen und nach dem Essen fünf Kilogramm schwerer als zuvor gewesen seien.
Repräsentierte der Leib des Königs gleichsam den Organismus des Staates, so konnte ein König es sich dementsprechend nicht erlauben öffentlich krank zu sein oder körperliche Schwäche zu zeigen. August schien ab den 1720er Jahren an der Zuckerkrankheit gelitten zu haben. Als eine eigenständige Krankheit war dieses Leiden damals noch nicht bekannt, obwohl ein englischer Arzt in den 1670er Jahren bereits auf hohen Zuckergehalt des Urins hingewiesen hatte und damit erste Vorstellungen der Rolle dieser Krankheit aufgekommen waren. Typisch ist der häufige und intensive Durst bei der Krankheit, den August sicherlich mit den schweren Weinen seines Schlosskellers in Dresden gestillt haben dürfte. August der Starke liebte Tokaier und Champagner, den er auf seiner Grand Tour in Paris kennengelernt hat. Es war damals die Zeit, als Champagner als Teil der Kulturoffensive des französischen Absolutismus gerade Deutschland zu erobern begann.
Kulturelle und machtpolitische Erwägungen zwangen einen barocken Herrscher vom Format Augusts des Starken geradezu körperliche Kraft und Stärke als Teil seines Selbstverständnisses als Herrscher und als Mittel der Selbstinszenierung zu sehen.
Michael Brey
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