Der Weg zur Karikatur


Über Karikaturen und Cartoons und ihre Geschichte wurde schon viel geschrieben. Es gibt dazu eine sehr umfangreiche Literatur und kann in großen Zügen im auch im Internet nachgelesen werden. Immer interessant ist es aber, die Praxis des Zeichnens zu beleuchten. Wie so häufig, ist es wichtig, vor dem Zeichnen von Karikatur und Cartoon erst einmal genau zu beobachten. Die Verlockung ist groß und verständlich, sofort den Stift in die Hand zu nehmen und los zu zeichnen. Aber zwischen den Ohren passiert mit der Verarbeitung der visuellen Information mindestens genauso viel, wie bei der Ansteuerung der Hand. Vielleicht ist es auch so, dass der Zeichner nicht zu jeder Zeit, die Möglichkeit hat, seiner Leidenschaft nach zu gehen. Hier kann die Zeit sinnvoll genutzt werden, indem der Zeichner sich die Zeit nimmt, den Moment, den tag zu nutzen, genau zu beobachten.

Möglicherweise ist es für den einen oder anderen sinnvoll, im Rahmen eines Wochenplans die Objekte der Bobachtung festzulegen. Montags könnte man sich zum Beispiel vornehmen, die Gesichter mit Nase, Ohren, Mund genauso zu studieren. Dienstag wäre dann die Körperhaltung dran. Gebeugte, kriechende, krabbelnde Personen. Eben alles was das Berufsleben so zu bieten hat. Mittwochs wäre ein Tag der Muße: vielleicht einmal auf die schlafenden Artgenossen einen genauen Blick werfen. Wie bewegen sich die Lippen der zu Oberservierenden, wenn die Luft im schnarchenden Ton hindurch gepresst wird. Donnerstags würden sich dann erste Anzeichen des nahenden Wochenendes zeigen. Die Beobachtungen ständen jetzt unter dem Zeichen verstärkter Aktivitäten wie häufiges Turteln männlicher und weiblicher Artgenossen zwecks Festlegung von Freizeitaktivitäten, oder auch nur männlicher Kollegen um sich dem Fußball am Wochenende zu widmen. Freitags wäre dann den Bewegungsstudien zu widmen.

Ein besonders zu empfehlender Zeitraum wäre von 15.00 bis 16.00 Uhr, wenn sich die Bürokollegen in höchstem Tempo auf die Stempeluhr bewegen. Diese Beobachtung kann man montags nicht machen, die ersten Tage verbleiben einfach den mehr statischen Bewegungsabläufen vorbehalten. Deshalb die Konzentration auf Gesicht, Kleidung und Körperhaltung. Durch das konsequente Beobachten wird sich das Wahrnehmen vertiefen.

Roger Schmidt
Roger.Schmidt [at] ohmpage.de

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