Hangzhou
Chinesen beschreiben Hangzhou als eine „Kleinstadt“ mit nur 5 Mio. Einwohnern, an einem großen See gelegen, bekannt dafür, dass im Sommer auf dem künstlich zwischen Hügeln angelegten See der Lotus wunderschön blüht.
Ich bin um 5.30 Uhr aufgestanden, weil wir uns um 6.30 am Bahnhof verabredet hatten, um gemeinsam mit ein paar Kollegen nach Hangzhou zu fahren. Wir hatten nur noch Zugkarten ohne Sitzplatz bekommen. Stehplätze gibt es schließlich genug :-) Ich muss ja ehrlich zugeben, dass ich mir das Ganze wie einen Viehtransport vorgestellt hatte, aber es glich eher einem Regionalexpress der Deutschen Bahn, wenn im Sommer die Leute mit dem "Schöne-Wochenend-Ticket" unterwegs sind. Was die gute Organisation und die Pünktlichkeit angeht, kann sich die DB allerdings mal eine ordentliche Scheibe abschneiden. Auch bezüglich des Bord-Bistros. Wir standen dann tatsächlich zweieinhalb Stunden im Gang. Langweilig war es allerdings nicht, denn schließlich sieht man nicht viele "Europäer" in der Stehklasse.
Jeder wollte sich mit uns unterhalten und wir waren allesamt ziemlich stolz, dass wir inzwischen besser Chinesisch sprechen, als die Durchschnitts-Chinesen Englisch. Zurück zum Bordbistro. Uns wurde auch deshalb nicht langweilig, weil alle zwei Minuten ein Wagen mit Hähnchenschenkeln und leckerstem Gemüse durch den Gang durchmusste... Man stelle sich den Gang dabei so voll vor, wie die Berliner U-Bahn Richtung Olympia-Stadion eine halbe Stunde vor Spielbeginn des Hertha BSC. Angekommen, kann man direkt vor dem Bahnhof eine Touristen-Rundfahrt mit dem öffentlichen Bus um den See machen. Dies kostet nur 2 RMB, umgerechnet 20 Cent.
Das Wetter war hervorragend. Wir sind zusammen mit dem Boot auf die Inseln gefahren, wo wir eigentlich den Rest des Tages verbracht haben. Wir haben wunderschön übernachtet (rund um den See gibt es überall Hotels für jeden Geldbeutel). Am nächsten Morgen um 6.30 Uhr sind wir ans Seeufer gelaufen und haben den Chinesen beim Tai Chi und "Tanzunterricht" zugeschaut. Es war eine wunderbare Stimmung, da es leicht dunstig war und immer noch sehr warm, irgendwie mystisch. Außerdem gab es außer uns KEINE Touris.
Um acht Uhr sind wir von einer Stadtführerin abgeholt worden, um noch vor dem Massenansturm das Haus eines ehemaligen Politikers anzuschauen. Danach sind wir nochmal Boot gefahren. Es war aber schon fast zu heiß (und das Anfang April!). Nachmittags sind wir zu einer riesigen Teeplantage außerhalb Hangzhous gefahren. Das war wie ein kleiner Urlaub. Dort sah es aus wie im Film. Überall an den Hängen standen Arbeiterinnen mit großen Strohhüten und pflückten Tee. Ich fand das eigentlich am allerschönsten an diesem Wochenende, zumal Hangzhou bei gutem Wetter mit Touristen übersättigt ist. Die Massen schieben sich nur so am Seeufer entlang. Abends war es so warm, dass man im T-Shirt bleiben konnte. Auch um Mitternacht noch.
Für den Rückweg haben wir den Zug, diesmal die "soft-seat-Klasse" zurück nach Shanghai genommen. Wie anders! Dort wurden keine Hähnchenschenkel, sondern Seidentücher zum Verkauf angeboten. Natürlich war das bequemer, aber auch nur das halbe Erlebnis! Das Zwischending wäre „hard-seat“. Das ist sozusagen die Holzklasse, mit Sitzplatz.
Wenn auch ein kurzes Vergnügen, es was toll! Im Vornherein habe ich mir noch ein paar gute Informationen und Tipps für den Ausflug bei HolidayCheck rausgesucht und war damit auch vorbereitet. Kann ich nur empfehlen!
Constanze Russ-Mohl
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