Die Wiederentdeckung der Nutzpflanze Hanf:
Down to Earth I


Wer 1993 das Buch „Die Wiederentdeckung der Nutzpflanze Hanf“ vom Verlag 2001 geliefert bekam und aufmerksam las, der wurde durch allerlei interessante Fakten förmlich überwältig. Da war die Rede von einer Pflanze mit einem unglaublichen Potential, die Fasern, Lebensmittel, Öl und Medizin für angeblich 50.000 verschiedene Produkte liefern könne.

Zudem war die Faser die reißfesteste Naturfaser der Welt (für exzellente Naturtextilien), die Hanfsamen sind so gesund, dass der Genuss der selbigen vor der Pest schützen könnte. Motten vergreifen sich nicht an Textilien aus Hanf und drin sind keine Pestizide zu finden. Kurz gesagt: Hanf wurde in der Folge zu einer Art Heilsbringer einer ökologisch orientierten Kreislaufwirtschaft hochstilisiert: Die Autokarosserie wird aus Hanffasern gepresst, der Motor mit Hanföl angetrieben und am Ende landet das Vehikel auf dem Komposthaufen. Wer einmal die Gelegenheit hatte Jack Herer bei einem seiner Vorträge (oder sollte man sagen in einer heiligen Hanfmessen?) zu erleben, weiß wovon die Rede ist. Die ganze Schwärmerei rund um die Hanfpflanze nahm geradezu religiöse Formen an.

Allerdings löste das Erscheinen der deutschen Übersetzung von Jack Herers Buch eine beispiellose Marketing-Kampagne für den nachwachsenden Rohstoff aus, die sich jeder andere interessante Bio-Rohstoff nur wünschen kann. Wiederholt hat sich die Sache wenn auch in kleinsten Ansätzen nur bei der Brennnessel. Aber welche Medien interessieren sich für Pflanzen ohne Sexappeal wie Pappelflaum, Kenaf oder Miescanthus? Ohne das Drogenimage der Hanfpflanze wäre der ganze Hype nicht denkbar gewesen.

Klaus-Martin Meyer

Die Wiederentdeckung der Nutzpflanze Hanf: Down to Earth II

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