Das Bodenseeschifferpatent


Viele, die auf der Suche nach dem passenden Segelschein sind, werden früher oder später über den Begriff Bodenseeschifferpatent stolpern. Doch was genau ist dieses Bodenseeschifferpatent, wer braucht es und welche Vor- und Nachteile birgt es? Genau diesen Fragen möchte ich in diesem Artikel auf den Grund gehen.

1. Was ist das Bodenseeschifferpatent?
Das Bodenseeschifferpatent ist der amtlich am Bodensee vorgeschriebene Bootführerschein. Er besteht grundsätzlich aus vier Kategorien, wobei für die Freizeitschifffahrt nur zwei von Bedeutung sind. Diese Kategorien sind:

Kat. A
Ist der Motorbootführerschein. Er wird auf Sportbooten ab einer Motorisierung von mehr als 6 PS (4,4 kW) zwingend amtlich vorgeschrieben. Hierin besteht i.Ü. schon ein Unterscheid zum Binnenbereich, wo bereits ab 5 PS Motorleistung an der Antriebswelle ein amtlicher Sportbootführerschein Binnen benötigt wird. Das Mindestalter für den Erwerb des Bodenseeschifferpatents Kat. A (Motor) ist 18 Jahre. Es gibt bei Sportbooten auf dem Bodensee keine Beschränkung hinsichtlich Größe und Motorleistung des Bootes. Allerdings darf man grundsätzlich mit diesem Schein nicht gewerblich fahren. Für Kleinfahrten wird eine Ausnahme gemacht: Ab dem 21. Lebensjahr darf man mit dem Bodenseeschifferpatent Kat. A auch Fahrgastschiffe führen, die allerdings nicht für mehr als 12 Fahrgäste zugelassen sind. Das Bodenseeschifferpatent Kat. A bietet zudem jede Menge Vorteile hinsichtlich amtlichen Sportbootführerschein Binnen und See, doch dazu später in einem weiteren Artikel mehr.

Kat. B
Ist Fahrgastschiffe mit mehr als 12 Personen zulässiger Gesamtzahl; sprich die sog. Weiße Flotte am Bodensee. Da es sich hierbei nicht um einen Sportbootführerschein für den Bodensee handelt, klammere ich nähere Informationen hierzu erstmal aus.

Kat. C
Ist der amtlich vorgeschriebene Befähigungsnachweis für Segelboote, die eine Segelfläche von mehr als 12 qm aufweisen. Das sind in der Regel Yachten und Kielboote, wobei natürlich auch größere Jollen bereits mehr als 12 qm Am-Wind-Segelfläche haben. Das Mindestalter um das Bodenseeschifferpatent Kat. D (Segeln) zu erwerben ist 14 Jahre. Zu beachten ist, dass auch auf Segelbooten das Motorbootpatent (Bodenseeschifferpatent Kat. A) vorgeschrieben ist, wenn sich an Bord des Segelboots ein Motor mit mehr als den oben genannten 6 PS Leistung befindet. Egal ob es sich um einen Außenbord-, oder Innenbordmotor handelt. Die Vorteile dieses Scheins, werde ich nochmals separat in einem weiteren Artikel hier erläutern.

Kat. D
Das Bodenseeschifferpatent der Kategorie D ist wiederum kein Führerschein für die Sport- und Freizeitschifffahrt auf dem Bodensee. Es wird für das Führen von sog. Güterfahrzeugen benötigt. Dies sind in der Regel am Bodensee Kiesschiffe, aber diese werden immer weniger, da sich der Verkehr auf das Land verlagert.

2. Wo ist das Bodenseeschifferpatent im deutschen Sportbootführerscheinwesen angesiedelt?
Das Bodenseeschifferpatent Kat. A und Kat. C, also der Motorbootführerschein und der Segelschein für den Bodensee (siehe oben) sind die Sportbootführerscheine für das gemeinschaftlich verwaltete Hoheitsgewässer Bodensee. Und wie der Name schon sagt, gilt es grundsätzlich nur auf dem Bodensee und nicht auf anderen Binnengewässern oder auf dem Meer. Genau genommen positioniert es sich genau in der Mitte, als zwischen dem amtlichen Sportbootführerschein Binnen und dem amtlichen Sportbootführerschein See. Damit man nun aber nicht alle Scheine quasi mehrfach ablegen muss, hat der deutsche Gesetzgeber eine Möglichkeit eingebaut, dass sich Inhaber des Bodenseeschifferpatents den amtlichen Sportbootführerschein Binnen in der jeweiligen Kategorie auf Antrag ohne weitere Prüfung ausstellen lassen können; doch dazu bei den Vor- und Nachteilen mehr. Das Bodenseeschifferpatent kann nur am Bodensee erworben werden. Für die Prüfung zuständig sind die Landratsämter am deutschen Bodenseeufer, also Lindau, Konstanz und der Bodenseekreis. Nähere Informationen hierzu gibt Ihnen Ihre Segelschule am Bodensee.

3. Vorteile und Nachteile des Bodenseeschifferpatents
Der einzige ersichtliche Nachteil des Bodenseeschifferpatents ist, dass er nur am Bodensee direkt erworben werden kann. Doch liefert die Internetsuche bei Google viele brauchbare Treffer zu den Suchbegriffen „Segelschule Bodensee“ bzw. „Bodensee Segelschule“ und „Bodenseeschifferpatent“. Die Vorteile wurden teilweise schon oben angesprochen. Inhaber des Bodenseeschifferpatents der Kat. A und C, also Motorboot und Segelboot, können ohne weitere Prüfung den amtlichen Sportbootführerschein Binnen in der jeweiligen Kategorie beantragen. Zudem bietet eine gute Segelschule Ihnen die Option an, mit der Kategorie A, also dem Motorbootführerschein für den Bodensee, eine kleine Zusatzprüfung mit abzulegen. Diese wird meist „Navi-Prüfung“ genannt, auch wenn sich dahinter doch mehr als Navigation versteckt. Wurde diese kleine Zusatzprüfung zusammen mit dem Bodenseeschifferpatent abgelegt (wird vom Landratsamt bescheinigt) ist man beim amtlichen Sportbootführerschein See von der Praxis befreit; d.h. man belegt nur noch einen Theoriekurs in einer Segelschule und legt dann die Prüfung vor einem DSV Prüfungsausschuss ab. Dies spart dem Bewerber dann natürlich erheblich Zeit und Kosten. Nähere Informationen kann Ihnen Ihre Bodensee Segelschule geben.

Abschließend lässt sich zusammenfassen, dass das Bodenseeschifferpatent der ideale Einstieg in die Sport- und Freizeitschifffahrt ist. Auf dem Bodensee lässt sich darüber hinaus optimal trainieren und Erfahrungen sammeln. Der Bodensee besticht durch seine Größe (durchaus für Segelreisen geeignet), aber auch durch seine Sicherheit, bedingt durch die hohe Hafendichte.

Jörg K. Fischer
fischer [ at ] segelschule [ minus ] wasserburg [ dot ] de

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