Was im Radsport schiefgelaufen ist?


Warum haben sich viele der deutschen Profi-Radsportler so hemmungslos gedopt? Angeblich konnte das massive Doping der deutschen Radsportler in den 90ern nie aufliegen, so ist es in einem Pressebericht von einem Ex-Doper zu vernehmen. Die Gruppendynamik oder besser gesagt der Zugzwang scheint ein wichtiger Grund für das Doping ohne schlechtes Gewissen gewesen zu sein. Die Vorstellung immer das letzte Rad am Wagen zu sein ist demotivierend, wer will das schon gerne?

Wenn die Mehrheit in einer Gruppe etwas Unanständiges tut, dann ist die Hemmschwelle für den einzelnen nicht mehr so groß auch etwas Unanständiges zu tun. Es war halt Gang und Gebe sich vor einem Radrennen künstlich aufzupeppen. Wo aber ist der Sportsgeist geblieben? Wenn viele im deutschen Team Doping angewendet haben, dann waren angeblich diejenigen, die brav (sauber) waren, ohne Chancen. Blieb also für Chancengleichheit im Team für alle nur noch das künstliche Aufpeppen und die unnatürliche Aufrechterhaltung der eigenen Fitness? Muss man mit den gedopten Radsportlern Mitleid haben, wenn sie jetzt einer nach dem anderen ihren Fehltritt beichten. Nicht unbedingt! War nicht das Geld auch Motivation und Verlockung, denn schlecht verdienen tun Spitzenradsportler eigentlich nicht. Es stellt sich die Frage, was ist da schiefgelaufen im Radsport. Warum gibt es ausgerechnet so viele Dopingfälle im Radsport oder ist der Radsport nur die Spitze des Eisbergs und es wird in nächster Zeit noch in vielen anderen Sportarten ähnliche Dopinggeständnisse geben?

Die Medien, das Publikum und letztendlich der Sportler müssen im Sport immer schneller, höher und weiter kommen. Aber die natürlichen Ressourcen vieler Profi-Sportler scheinen schon lange erschöpft zu sein. Das ganze Leistungsspektrum wird durch Doping verfälscht. Damit der Sport in Zukunft eine Chance hat, müssten die Rekorde wesentlich nach hinten korrigiert werden. Hier sind aber zuerst auch die Medien, das Publikum an sich gefordert, sich mit vorerst „kleineren“ Rekorden und geringerem Leistungsvermögen der Sportler abzufinden, um somit aber durch die neue Akzeptanz von weniger, aber natürlicher Leistung im Sport einen sauberen Weg ohne Doping ebnen zu können.

Hemut Naber
hnaber [ at ] gmx [ dot ] de

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