Der Zweitmarkt von Kapitallebensversicherungen
Vor rund 10 Jahren wurden Kapitallebensversicherungen als ideale Altersvorsorge angesehen. Während der letzten Zeit hat sich diese Einstellung etwas gewandelt. Es gibt eine Vielzahl anderer Möglichkeiten mit einer besseren Rendite für das Alter vorzusorgen und durch eine recht günstige Risikolebensversicherung zusätzlich noch seine Familie oder Angehörige abzusichern. Aus diesem Grund und wegen einer plötzlich aufgetretenen Notsituation des Versicherungsnehmers werden in Deutschland jedes Jahr über eine Million Lebensversicherungen gekündigt oder beitragsfrei gestellt.
In vielen Fällen, abhängig von der Art der Versicherung, der Laufzeit und der Versicherungsgesellschaft, entspricht der angebotene Rückkaufswert für die vorhandene Police nicht einmal dem bisher eingezahlten Kapital. Denn besonders in den ersten Jahren ist eine Kapitallebensversicherungspolice mit Verwaltungskosten sowie Kosten für die Vertriebsprovision stark belastet. Diese Kosten rechnen sich meistens erst, wenn die Police die gesamte Laufzeit gehalten wird. Des Weiteren erheben Versicherungsgesellschaften eine nicht unerhebliche Stornogebühr, wenn die Police vor Ende der Laufzeit gekündigt wird.
Seit 1999 besteht nun auch auf dem deutschen Lebensversicherungsmarkt die Möglichkeit, eine Kapitallebensversicherung an einen Investor zu verkaufen. Dieser Aufkäufer zahlt die Beiträge der Versicherung bis zum Ende der Vertragslaufzeit weiter und erhält dann von der Versicherungsgesellschaft zusätzlich eine Gewinnbeteiligung. Dadurch ist der Investor in vielen Konstellationen in der Lage, dem Verkäufer einen nicht unerheblichen Aufpreis im Vergleich zu dem Rückkaufswert der Police zu zahlen, der zwischen 2 bis 15 Prozent liegen kann. Des Weiteren bleibt bei Kunden, die ihre Lebensversicherung verkaufen, der Todesfallschutz für den ursprünglichen Versicherungsnehmer in der Regel bestehen. Sollte dieser eintreten, dann wird dem Begünstigten der von der Versicherung bezahlte Betrag nach Abzug des Kaufpreises und der weiteren vom Käufer gezahlten Prämien ausgezahlt.
Dieser sogenannte Zweitmarkt hatte im Jahr 2004 ein Volumen von etwa 300 Millionen Euro, im Folgejahr wurden 500 Millionen Euro mit dem Verkauf von Kapitallebensversicherungen umgesetzt. Dies steigerte sich im Jahr 2006 zu einem Umfang von sogar 700 Millionen Euro.
Michael Calinski
calinski [ at ] oc-projects [ dot ] de
