Die BIBEL –
Das Buch und seine Entstehung, Teil 2
Weitere Übersetzungen
Da es auch Menschen gab, die kaum oder gar kein Griechisch sprachen, wurde die Bibel in weitere Sprachen übersetzt. Eine dieser Sprachen war Syrisch, also die aramäische Sprache, die von vielen Christen gesprochen wurde. Zudem entstand eine alt-ägyptische Übersetzung, sogar gleich in zwei Dialekten.
Für die Geschichte der Bibel in Europa sind aber vor allem lateinische Übersetzungen bedeutsam. Im Jahre 382 n.Chr. wurde der Gelehrte Hieronymus von dem römischen Bischof Damasus beauftragt, eine Revision der lateinischen Bibel anzufertigen. Hieronymus erledigte seine Aufgabe sehr gewissenhaft. Er wurde in Bethlehem sesshaft und studierte die alten Handschriften des hebräischen Alten und des griechischen Neuen Testamentes. Nach etwa zwanzig Jahren Arbeit (386-405 n.Chr.) beendete er seine lateinische Übersetzung, die den Namen Vulgata bekam, was „einfach“ bedeutet. Diese Übersetzung wurde später die offizielle Bibel der römisch-katholischen Kirche, bis auf den heutigen Tag.
Für die Verbreitung der Bibel, insbesondere in Europa war natürlich die Reformation, die 1517 von Martin Luther in Gang gesetzt wurde ein einschneidendes Ereignis. In verschiedenen Ländern Europas, in denen die Reformation Fuß fasste, fing man an, die Bibel in die Landessprache zu übersetzen; oft jedoch noch unter großem Widerstand. Luther wurde von seinen Freunden entführt und in die Wartburg gebracht, wo er in Rekordzeit das Neue Testament übersetzte (von Dezember 1521 bis März 1522). Die erste Auflage (5000 Stück) war innerhalb eines Jahres verkauft. Im Jahr 1534 erschien die ganze Bibel in der deutschen Sprache. Für die Ausbreitung der Bibel zur Zeit Luthers und überhaupt für den Erfolg der Reformation war eine Tatsache von entscheidender Bedeutung: Die Erfindung der Buchdruckkunst. So war das erste Werk von Bedeutung, das je gedruckt wurde die Gutenberg-Bibel von 1452 (damals noch die lateinische Vulgata).
Zuverlässigkeit der Abschriften und archäologische Funde
Nun ist es ja sehr interessant, etwas über die Entstehungsgeschichte der Bibel zu erfahren. Doch was würde uns der Bibeltext nützen, wenn wir Grund zu der Annahme hätten, dass der Text wie wir ihn heute vorfinden nicht übereinstimmt mit dem Urtext, also den Originalen?
Denn schließlich gibt es keine Handschriften von den ursprünglichen Autoren der Bibel mehr, also z.B. von Mose oder Johannes persönlich. Was wir haben, sind aber eine Reihe von Abschriften dieser Originale. Doch die Anzahl dieser Abschriften und ihre Genauigkeit erlauben es uns zu sagen, dass der heutige Bibeltext so gut wie hundertprozentig dem Original entspricht, so wie es damals geschrieben wurde.
Was kann uns da so sicher machen?
Wir wissen, dass beim Abschreiben der Bibel höchst sorgfältig vorgegangen wurde. Die Zusammensteller des Alten Testamentes hatten eine tiefe Ehrfurcht vor den heiligen Schriften und bewahrten sie an den allerheiligsten Orten auf. Es war die Rolle der Schriftgelehrten, die vorhandenen Originale zu kopieren. Aus dem jüdischen Talmud erfahren wir, wie genau ein Schriftgelehrter beim Abschreiben einer Buchrolle des Alten Testamentes vorgehen musste. Ein Auszug:
Eine Buchrolle musste auf den Häuten von kultisch reinen Tieren geschrieben werden, die wiederum mit Sehnen von ebenso reinen Tieren zusammengefügt werden mussten. Die Länge eines jeden Abschnittes musste zwischen 48 und 60 Zeilen liegen und die Breite musste aus 30 Buchstaben bestehen. Das ganze Manuskript musste zuerst liniert werden. Wenn aber drei Worte ohne eine Linie geschrieben wurden, war das Ganze wertlos. Die Tinte durfte nur schwarz sein und musste nach einem speziellen Rezept zubereitet werden. Als Vorlage musste ein authentisches Manuskript verwendet werden und davon durfte der Schreiber nicht im Geringsten abweichen. Kein Wort oder Buchstabe durfte auswendig (aus dem Gedächtnis) aufgeschrieben werden, also, ohne dass der Kopierer vorher auf die Vorlage geschaut hätte. Zwischen den Buchstaben musste ein Zwischenraum gelassen werden, so breit wie ein Haar oder ein Draht; zwischen den Paragraphen ein Abstand von neun Buchstaben und zwischen den Büchern ein Freiraum von drei Zeilen. Der Kopierer musste Jude sein, in ein rein jüdisches Gewand gekleidet und sein Körper ganz gewaschen. Wenn der Name Gottes geschrieben wurde, durfte die Feder nicht gerade neu in die Tinte eingetaucht worden sein. Selbst wenn der Schreiber von einem König angeredet wurde, während er gerade den heiligen Namen Gottes schrieb, durfte er ihn nicht beachten. Buchrollen, die diesen Vorschriften nicht entsprachen, mussten verbrannt oder vergraben werden.
So merkwürdig es auch klingen man: Die äußerste Sorgfalt, mit der das Kopieren geschah, erklärt zugleich, warum wir so wenige Handschriften des Alten Testamentes haben. Wenn ein Manuskript nach den oben genannten Vorschriften fertig gestellt und gründlich überprüft worden war, betrachtete man es als genauso authentisch und gleichwertig wie eine Kopie. Da nun alle Kopien mit dem alten Manuskript identisch waren, betrachtete man die neue Kopie als wertvoller, da das alte Manuskript oft schon leicht beschädigt war. Solche „mangelhaften“ Abschriften wurden in einer Abstellkammer aufbewahrt und wurden entsorgt, wenn die Kammer zu voll wurde. Die Juden hielten also nicht ihre ältesten, sondern gerade ihre neuesten Handschriften für die Wertvollsten, so dass uns ein Fehlen sehr alter Manuskripte des Alten Testamentes nicht zu beunruhigen braucht.
Zudem wurde die Genauigkeit der Bibel regelmäßig durch archäologische Funde untermauert.
Einer der bedeutendsten Funde entstammt den Höhlen von Qumran:
Anfang 1947 war ein junger Beduine (Muhammad adh-Dhib) in der Nähe der Höhlen bei Qumran, westlich des Toten Meeres, auf der Suche nach einer entlaufenen Ziege. Sein Auge fiel auf eine seltsam geformte Öffnung in einem der Felshänge, und er kam auf die glückliche Idee, einen Stein durch die Öffnung zu werfen. Zu seinem Erstaunen hörte er das Klirren von brechendem Ton. Er untersuchte die Sache und fand auf dem Boden der Höhle verschiedene große Krüge; später stellte sich heraus, dass sie lederne Bücherrollen von sehr hohem Alter enthielten. Obwohl die Rollen mehr als 1900 Jahre alt waren, befanden sie sich in einem erstaunlich guten Zustand, weil die Krüge sorgfältig versiegelt worden waren. Bei späteren Untersuchungen wurden in zehn anderen Höhlen weitere Handschrift-Fragmente entdeckt. Es stellte sich heraus, dass alle diese Höhlen mit einer alten, nahe gelegenen Festung in Verbindung standen, die etwa 100 v.Chr. errichtet worden war. Allein in Höhle 1 wurden 150-200 Rollen gefunden, in Höhle 4 Fragmente von über 380 Manuskripten.
Der wichtigste Fund aus Qumran ist die in Höhle 1 gefundene berühmte Jesajarolle A, das älteste bekannte, völlig hebräische Bibelbuch aus dem zweiten Jahrhundert v.Chr. Zudem wurde ein Fragment von Samuel gefunden, das aus dem vierten Jahrhundert v.Chr. stammt und damit wahrscheinlich das älteste bekannte Stück (biblischen) Hebräisch ist.
Als Ergebnis stellte sich heraus, dass die bisherigen vorliegenden Texte eindrucksvoll bestätigt wurden. Die Jesajarolle stimmt z.B. zu 95% mit dem masoretischen Text überein, während die restlichen 5% fast ausschließlich unscheinbare Schreibfehler waren oder kleine Unterschiede in der Buchstabierung. Die Jesajarolle fegte ohne weiteres eine Reihe von Behauptungen, die die Kritiker über die Entstehung dieses Buches geäußert hatten, vom Tisch. Dies betrifft sowohl ihre Theorien über die Entstehungszeit des Buches, als auch über dessen Zusammenstellung aus verschiedenen Schriften verschiedener Autoren (z.B. „Deutero-Jesaja“ u.a.)
Neben den Funden bei Qumran gab es zahlreiche weitere archäologische Funde, die die Genauigkeit unseres heutigen Bibeltextes ebenfalls bestätigten.
Insgesamt können wir sicher davon ausgehen, dass der Text, den wir besitzen, wirklich mit dem ursprünglichen Schriftgut übereinstimmt.
Der Kanon
Da die Bibel ein göttliches Buch ist, das durch die Inspiration Gottes entstanden ist ( 2 Timotheus 3,16, 2 Petrus 1,21) muss der Frage nachgegangen werden, wie überhaupt entschieden wurde, welche Bücher in den Kanon der Bibel aufgenommen worden sind und welche nicht. Oder anders ausgedrückt. Welche Bücher gehören zur Bibel und welche nicht?
Welche Kriterien wurden dafür angewandt?
Zunächst ist wichtig, Folgendes festzuhalten: Niemals haben irgendwelche Führer in der Vergangenheit, auf welchem Konzil auch immer, „bestimmt“ oder „festgelegt“, welche Bücher in den Kanon aufgenommen werden müssten und welche nicht. Sie konnten höchstens feststellen, welche Bücher aufgrund ihrer göttlichen Autorität offensichtlich zum Kanon der Bibel gehörten. Kein einziges Buch ist deshalb maßgebend (kanonisch), weil es irgendwann einmal von Menschen in den Kanon aufgenommen wurde. Ein Buch ist nur dann maßgebend, wenn es deutlich von Gott mit Autorität versehen ist, d.h. von Gott inspiriert ist. Das einzige, was den Menschen von Gottes Vorsehung überlassen wurde, war, solche göttlich autoritativen Bücher als solche zu erkennen.
Dazu wurden in der Hauptsache zwei Kriterien herangezogen:
- Das prophetische Kriterium bzw. der apostolische Charakter eines Buches. Wenn jemand ein anerkannter Prophet Gottes war, war es für jedermann klar, dass seine Schriften nicht dem Willen eines Menschen entsprungen waren, sondern der Eingebung des Heiligen Geistes. Das Alte Testament besteht ausschließlich aus Büchern, die von Männern mit prophetischer Berufung und Begabung geschrieben wurden. Auch die Bücher des Neuen Testamentes wurden von Männern mit spezieller Berufung und Begabung geschrieben, nämlich zuerst und vor allen Dingen von den Aposteln.
- Das Kriterium der Autorität. Manchmal war die Berufung eines Propheten nicht sofort deutlich zu erkennen, oder man war sich nicht sicher, wer der Verfasser eines Buches war, wie z.B. beim Hebräerbrief. In solchen Fällen spielte ein zweites Kriterium eine große Rolle: die göttliche Autorität eines Buches. Jedes Buch der Bibel redet in autoritärem Ton und direkt im Namen Gottes; oft sogar mit einem ausdrücklichen „So spricht der Herr“, oder „Das Wort des Herrn geschah zu mir“. Es ist nicht immer ganz leicht, die wirkliche göttliche Autorität zu erkennen. Manche apokryphe Bücher erheben den Anspruch autoritativ zu sein, aber das ist kein so absolutes Kriterium wie der prophetische Charakter eines Buches. Darum wurden manche Bücher, die behaupteten, göttliche Autorität zu besitzen, aus anderen Gründen doch verworfen. Bei anderen Büchern war es genau umgekehrt: es war nicht sofort klar, dass sie mit göttlicher Autorität sprachen. Ein Beispiel dafür ist das Buch Esther, in welchem der Name Gottes überhaupt nicht einmal vorkommt. Erst als allgemein deutlich wurde, dass Gottes bewahrendes Handeln mit seinem Volk und damit seine Pläne und sein Vorhaben mit ihm sehr deutlich in diesem Buch zum Ausdruck kamen, erhielt es seinen Platz im alttestamentlichen Kanon. Das bei bestimmten Büchern, was die Aufnahme in den Kanon angeht, gezögert wurde, braucht dabei nicht zu beunruhigen, zeigt es doch, wie sorgfältig man mit dem Wort Gottes umgegangen ist.
Der Kanon der Bibel ist ein faszinierendes Thema und zeigt, wie deutlich und auffällig sich die Bücher der Bibel von den edelsten, nicht inspirierten religiösen Schriften unterscheiden. Dieser einzigartige Charakter der kanonischen Bücher kann nur durch das Wunder der göttlichen Inspiration erklärt werden. Jeder, der die Bibel aufrichtigen Herzens gelesen hat und gemerkt hat, welch geistige Kraft von ihr ausgeht, wird das aus eigener Erfahrung bestätigen können.
Eckart Haase
www.christliche-autoren.de
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