Geschichte des Diamanthandels in Europa
Wer heute das Grüne Gewölbe in Dresden oder die Wiener Schatzkammer besucht, wundert sich wahrscheinlich, warum der Diamant als Schmuckstein erst ab der zweiten Hälfte des siebzehnten Jahrhunderts zunehmend auftritt.
Diamanten waren in den Augen der Europäer nicht per se die wertvollsten aller Schmucksteine. So galten z. Bsp. noch im 16. Jahrhundert der Smaragd und nachfolgend der Rubin als die schönsten und bedeutendsten Schmucksteine.
Noch im Mittelalter war der Diamant kaum verbreitet, da er aufgrund seiner Härte nur schlecht zu bearbeiten war. Erst ab der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts ist der Beruf des Diamantschleifers in Brügge und Antwerpen nachweisbar. In Deutschland besaß das Handelshaus Welser aus Augsburg als erstes Unternehmen eine Diamantschleiferei.
Cellini beschreibt das Diamantschleifen und nennt ausführlich die in seiner Zeit beliebten Diamanttypen: in tavola, a facette e in punta (Tafelstein und den Rosenstein).
Antwerpen entwickelte sich aufgrund der Entdeckung des Seewegs nach Indien um die Südspitze Afrikas neben Venedig zu einem bedeutenden Zentrum sowohl der Diamantbearbeitung als auch des Diamanthandels.
Die Begründung für die späte Verbreitung des Diamanten in Europa liegt auch in der Geschichte des Diamanthandels begründet.
Bis 1725 kamen alle in Europa angebotenen Diamanten noch aus Indien. 1725 wurde jedoch der erste Diamant in Brasilien gefunden. Goldwäscher am Rio dos Marinhos hatten als Kuriosa glitzernde Kristalle aufbewahrt, die sie im Flussbett gefunden hatten. Als man dann verstand, dass die gefundenen Steine Diamanten waren, wurden die Lagerstätten zum Eigentum der Krone erklärt und streng bewacht.
Amsterdam war damals sowohl das Zentrum der Bearbeitung von Diamanten und des Handels mit diesen kostbaren Juwelen, während London eher für den Durchgangshandel von Diamanten bedeutsam war. Infolge des Abbaus von brasilianischen Diamanten kam es zu einem ungeheuren Preisverfall von bis zu 70% des Preises, den man für Diamanten bezahlen musste, als Indien noch das Monopol für Diamanten hatte.
Paris wurde der bedeutendste Absatzmarkt für die Endverbraucher. Im Deutschen Reich gab Sachsen den Ton beim Ankauf von Diamanten an, was man noch heute in beeindruckender Weise im Grünen Gewölbe in Dresden nachvollziehen kann.
Der Diamantmarkt veränderte sein Gesicht nochmals völlig, als 1867 der erste Diamant in Südafrika entdeckt worden ist.
Michael Brey
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