Qualität mit Bachelor-Studiengängen?
Der neue Trend an den Universitäten Deutschlands (und Europas) sind Bachelor-Studiengänge. Nach den Beschlüssen aus Bologna sind alle Hochschulen verpflichtet, ihre grundständigen Studiengänge in Bachlor-Studiengänge umzuwidmen. Betroffen sind hier nicht nur Magister und Diplom-Studiengänge, betroffen sind mittlerweile auch die Lehramts-Studiengänge mit Abschluss Staatsexamen. Globalisierung im Bildungswesen, damit möglichst problemlos Studierende aus anderen Ländern bei uns und umgekehrt studieren können. Ein einheitliches Bewertungssystem, ganz amerikanisch, damit die Leistungen auch problemlos angerechnet werden können.
Nun klagen wir nicht erst seit der PISA-Studie über die Qualität in den deutschen Bildungseinrichtungen. Die Lehrer sind nicht gut oder falsch ausgebildet, sie sind überfordert oder unmotiviert. Und mit den neuen Studiengängen ändert sich das alles? Und die Öffnung der Studiengänge für Studierende aus anderen Ländern ist ein frommer Wunsch. Doch in der Realität sieht dies in nicht wenigen Studiengängen so aus, dass gerade mal 2-3 Studierende von einer Universität aus dem Ausland in Deutschland und umgekehrt studieren. Dafür eine Anpassung der bewährten, eingeführten Studiengänge?
Schon jetzt ist das Studium in fast allen Fächern überfrachtet. Nun wird das Studium durch die Umstellung auf 6 Studiensemester reduziert. Dies kann nicht unter Beibehaltung der bisherigen Inhalte geschehen. Die Reduktion trägt sicher nicht dazu bei, die Qualität zu erhalten.
Der Umbruch ist gewaltig, der Nutzen erscheint auf den ersten Blick gering. Auch auf den zweiten Blick bessert sich die Lage kaum. Auch wenn nun Evaluationsagenturen die Studiengänge evaluieren müssen - das schönste Eigentor überhaupt - gewährleistet dies noch lange keine bessere Qualität. Modulhandbücher sind zwar eine feine Sache und ein systematischer Ablauf aller Prozesse hilfreich, doch wenn dann die bislang eingesparten Mittel (Stellenstreichungen, Mittelkürzungen) für die sehr teure Evaluation der Studiengänge ausgegeben werden muss, muss man sich fragen, worin der Sinn derartiger Maßnahmen besteht.
Der eingeschlagene Weg scheint aus heutiger Sicht nicht der richtige Weg zu sein, um die Qualität der universitären Lehre zu verbessern. Er wird höchstens dazu beitragen, aus Fachhochschulen und Universitäten einen einheitlichen Brei zu schaffen. Doch das Warum wird dabei nicht beantwortet.
Sven Lange
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